(Scheinbar) Erkrankte Kollegen

Frage(n):

Mein Arbeitskollege scheint erkrankt zu sein und kommt dennoch ins Büro. Darf ich zuhause bleiben?

Antwort:

Die Hauptleistungspflicht des Arbeitnehmers ist in § 611a BGB geregelt. Danach ist der Arbeitnehmer zur Erbringung seiner Leistung verpflichtet. Grundsätzlich darf der Arbeitnehmer der Arbeit nur fernbleiben, wenn er tatsächlich arbeitsunfähig ist. An dieser Verpflichtung ändert auch die aktuelle Erkrankungswelle aufgrund des Corona Virus zunächst nichts.
Dem Arbeitnehmer steht durch den derzeitigen Ausbruch des Corona Virus kein allgemeines Recht zu, zu Hause zu bleiben. Die Sorge, sich im Büro bei einem Arbeitskollegen, der durch das Aufweisen von allgemeinen Erkältungssymptome krank erscheint, anzustecken, reicht nicht aus, um von der Arbeit fernzubleiben.
Die Gefahr, sich generell mit dem Virus zu infizieren, wird insoweit als „allgemeines Lebensrisiko“ betrachtet. Der bloße unbegründete Verdacht und der Anschein einer (sonstigen) Erkrankung reichen nicht als konkreter Anhaltspunkt für das Eingreifen eines Leistungsverweigerungsrechts aus. Die Sachlage ändert sich natürlich dann, wenn ein begründeter Verdacht oder konkrete Anhaltspunkte für eine Gefahr (hier: mit einer Corona Infektion) vorliegen. Diese Beurteilung richtet sich jedoch nach dem Einzelfall.
In vielen Unternehmen gibt es aber Regelungen zum Home Office, was in dieser Zeit eine gute Alternative sein kann, um Präsenzzeiten und damit den Kontakt mit anderen Kollegen im Büro vermeiden zu können.

Weiterführende Informationen:

Ausführlichere Informationen finden teilnehmende Unternehmern demnächst in den Kapiteln „Home Office (und Datenschutz) – Möglichkeiten und Grenzen kennen“ (in Kürze online) und „Arbeitsverweigerung oder Ansteckungsangst – (Un-) Juristische Lösungen finden“ (in Bearbeitung) im ESF-Projekt Virtkomp.

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