Gutschein oder Rückerstattung bei Flugreisen

Frage(n):

Darf die Fluggesellschaft für einen online gebuchten Flug nach Stornierung wegen der Corona-Krise die Rückzahlung verweigern und stattdessen Gutscheine ausstellen?

Antwort:

Auch bei Flugreisen kommt es durch die Corona Pandemie zu vielen Einschränkungen und Flugausfällen.
In vielen Fällen werden den betroffenen Passagieren nun Reisegutscheine statt der Erstattung des Flugpreises angeboten. Diese Regelung soll die Fluggesellschaften finanziell entlasten und die Liquiditätsengpässe nicht weiter verschärfen.
Nach Artikel 8 der Europäischen Fluggastrechte-Verordnung (FluggastrechteVO) müssen die Airlines bei stornierten Flügen jedoch den vollen Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen den Passagieren zurückerstatten. Die FluggastrechteVO findet dann Anwendung, wenn es sich
1. um einen Abflug aus der Union (unabhängig davon, ob die Fluggesellschaft eine europäische ist) und
2. um einen Flug aus einem Drittstatt in die Union durch einen EU-Carrier
handelt.
Sie ist nicht anwendbar, wenn ein Nicht-EU-Carrier einen Flug allein von einem Drittstaat in einen Mitgliedstaat durchführt. Ihre Anwendung ist umstritten, wenn es um Flüge geht, die durch einen Nicht-EU-Carrier vorgenommen werden, die aus der Union abgehen, dann in einen Drittstaat führen und von diesem aus wieder in die EU zurückführen (sog. Rundflug).
Die Rückerstattung können die Passagiere in den beiden erst genannten Fällen nach wie vor schriftlich von den Fluggesellschaften fordern und sind nicht dazu verpflichtet, die Gutscheine zu akzeptieren und anzunehmen. Entscheidend dabei ist, dass unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände konkret keinen Grund für die Fluggesellschaften darstellen, um eine Erstattung des Reisepreises oder eine Umbuchung verweigern zu können. Gutscheine und Umbuchungen sind demnach nur möglich, wenn der Kunde diesen auch zustimmt. Er muss dieses Angebot also nicht annehmen und kann weiterhin auf eine Erstattung des Ticketpreises bestehen. (Stand 15.04.2020)
Jedoch will die Bundesregierung ähnlich wie bei Konzerten und Events auch bei stornierten Flügen verfahren. Um dieses Verfahren möglichst schnell umsetzen zu können, drängt die Bundesregierung bei der EU-Kommission, die für die Fluggastrechte zuständig ist, auf eine schnelle Ausnahmeregelung per Gutschein-Lösung, da die massiv wachsenden Rückzahlungsansprüche der Kunden sich zu einer enormen wirtschaftlichen Belastung für die Fluggesellschaften entwickeln. Statt einer Rückerstattung sollen Kunden Reisegutscheine, die ein Jahr gültig sind, akzeptieren und vom Staat gegen die Insolvenz des Reiseveranstalters abgesichert werden.

Weiterführende Informationen:

Die FluggastrechteVO finden Sie hier. (externer Link)

Aktualisiert (24.05.2020, 11:19 Uhr): Das Bundeskabinett hat am 
20.05.20 Eckpunkte zur Gutscheinlösung für Pauschalreisen erlassen, 
welche in Kürze ebenfalls als Gesetzesentwurf ausgestaltet werden 
sollen.
Bei diesen kam die Regierung der Kritik durch EU-Kommission und 
Verbraucherschützern nach, weshalb eine Insolvenzabsicherung 
vorgesehen ist. Sollte der Kunde einen Gutschein nicht rechtzeitig 
einlösen können, das Unternehmen aber in der Zwischenzeit „Pleite 
gehen“, greift eine staatliche Absicherung ein, die dem Reisenden den 
Gutscheinwert in voller Höhe erstattet.
Die Eckpunkte der Bundesregierung finden Sie unter folgendem externen Link:
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/gutscheinloeung-reisebranche-1754258

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