Kaufsache defekt – Garantie

Frage(n):

Eine Kaufsache (hier: Elektroherd) ist defekt, der Käufer hat noch Garantie, kann den Händler aber nicht kontaktieren – darf er selbst den Kundendienst beauftragen oder sich (online) Ersatz besorgen?

Antwort:

Neben den gesetzlichen Gewährleistungsrechten stehen den Verbrauchern gerade bei elektronischen Geräten oft Ansprüche aus einer Garantie zu. Dabei gilt, dass die Gewährleistungsrechte gesetzlich vorgeschrieben sind und ihre Geltung bei einem Kaufvertrag zwischen einem Verbraucher und einem Unternehmer (Verbrauchsgüterkauf i. S. d. § 474 Abs. 1 S. 1 BGB) auch nicht von vornherein ausgeschlossen oder eingeschränkt werden kann, § 476 Abs. 1 BGB. Eine Garantie hingegen wird von einem Hersteller oder Verkäufer freiwillig übernommen. Er ist hierzu nicht verpflichtet. Auch kann der Hersteller bzw. Verkäufer selbst entscheiden, unter welchen Bedingungen er für einen Mangel haftet. Solange die Frist der gesetzlichen Gewährleistungsrechte noch nicht verstrichen ist, kann der Käufer zwischen diesen und seinen Rechten aus der Garantie und ggf. auch zwischen den Rechten aus einer Hersteller- und einer Verkäufergarantie wählen. Was für den Käufer die bessere Alternative ist, hängt stark von den Umständen des jeweiligen Einzelfalls ab.

Wenn die jeweiligen Garantiebedingungen vorliegen und insbesondere die Garantiefrist nicht abgelaufen ist, treffen den Händler die in der jeweiligen Garantie bezeichneten Verpflichtungen.

Wie bei den Gewährleistungsrechten muss auch hier gemäß § 281 Abs. 1 S. 1 BGB grundsätzlich zunächst eine angemessene Frist zur Erfüllung dieser Pflichten gesetzt werden und diese Frist erfolglos ablaufen, damit dem Käufer ein Schadensersatzanspruch in Höhe der Reparaturkosten oder der Kosten eines Ersatzes zusteht. Der Käufer sollte daher versuchen, den Händler zu erreichen, um nicht zu riskieren, dass er auf den Reparaturkosten sitzen bleibt. Um diese Fristsetzung ggf. später gegenüber dem Verkäufer leicht nachweisen zu können, ist es empfehlenswert, dies in Form einer E-Mail zu erledigen.

Der Käufer sollte daher zunächst abwarten, bevor er die Kaufsache selbst reparieren lässt oder sich Ersatz besorgt, da er andernfalls riskiert, auf den Kosten hierfür sitzen zu bleiben.

Aktualisiert (29.06.2020, 11:53 Uhr): Problematisch wird es, wenn der Händler tatsächlich auf keine Weise zu erreichen war und sich nun auf den Ablauf der Garantiedauer beruft, es aber auch keine Möglichkeit gab, die Garantie zu verlängern. Um Konflikte zu vermeiden, haben bereits einzelne Auto- und Motorradhersteller ihre Garantien, die in den letzten Monaten ausgelaufen wären, von sich aus verlängert. Es gibt bislang keine einheitliche Regelung für den Fall, dass das Ende einer Garantie in die Phase der Corona-Beschränkungen fiel. Kunden und Händler sollten daher versuchen, einen Kompromiss zu finden, der für beide Seiten tragbar ist.

Weiterführende Informationen:

Allgemeine Informationen zu Garantien finden Sie auf den Seiten der Verbraucherzentrale: (externe Links)
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/vertraege-reklamation/kundenrechte/regeln-beim-kaufvertrag-freiwillige-garantien-5102
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/vertraege-reklamation/kundenrechte/checkliste-so-reklamieren-sie-richtig-11390

Welche Rechte dem Käufer zustehen, wenn die Nacherfüllung für den Verkäufer unmöglich ist, wurde bzgl. der Gewährleistungsrechte bereits beantwortet.

Artikelinhalt